Steuerklassenwechsel noch bis 30. November beantragen

Arbeitgeber müssen ELStAM regelmäßig abrufen

 

Bei alleinstehenden Arbeitnehmern wird die Lohnsteuer grundsätzlich nach der Lohnsteuerklasse I erhoben, bei alleinerziehenden Elternteilen nach Steuerklasse II. Ehepaare und eingetragene Lebenspartner haben dagegen mehrere Alternativen. Sie erhalten nach der Begründung der Ehe oder Lebenspartnerschaft automatisch die Steuerklassen IV/IV. Sie können aber auch die Steuerklassenkombination III/V wählen. Für den Partner mit der Klasse III ist der Steuereinbehalt wesentlich niedriger als bei der Steuerklasse IV, für den Partner mit der Klasse V dagegen höher. Diese Steuerklassenkombination bietet sich daher an, wenn der eine Partner wesentlich mehr verdient als der andere Partner. Seit einigen Jahren gibt es noch eine weitere Alternative für Ehepaare und Lebenspartnerschaften: die Steuerklasse IV mit Faktor. Dieser Faktor ist immer kleiner als Eins. Dadurch wirkt sich der steuermindernde Effekt des Ehegattensplittings schon beim Lohnsteuerabzug aus. Die Lohnsteuer ist daher für die (Ehe)Partner geringer als bei der Steuerklassenkombination IV/IV ohne Faktor. Auch werden Steuernachzahlungen minimiert, zu denen es bei der Kombination III/V insbesondere bei sehr großen Lohnunterschieden oftmals kommt. Der Faktor muss allerdings derzeit noch immer für jedes Jahr neu beantragt werden. Durch das Bürokratieabbaugesetz wurden die Weichen dafür gestellt, dass der Faktor künftig ebenfalls für zwei Jahre gilt. Allerdings steht derzeit noch nicht fest, wann dies technisch möglich sein wird. Zudem muss sowohl bei der Steuerklassenkombination III/V als auch IV/IV mit Faktor immer eine Einkommensteuererklärung abgegeben werden. Auf die tatsächlich zu zahlende Jahressteuer hat die Wahl der Steuerklassen jedoch keinen Einfluss.

Steuerklassenwechsel für 2016 ist nur noch bis zum 30. November möglich

Gerade zum nahenden Jahresende sollten Arbeitnehmerehepaare prüfen, ob sie ihre Lohnsteuerklassen optimal kombiniert haben. Eine Gehaltserhöhung, ein sich abzeichnender Jobverlust oder eine geplante Arbeitszeitverkürzung bei einem (Ehe)Partner - es gibt viele Gründe, die gewählten Steuerklassen zu überprüfen. Die optimal gewählte Steuerklasse spielt auch bei Lohnersatzleistungen wie Krankengeld oder Arbeitslosengeld, aber auch beim Elterngeld eine große Rolle. So fallen die Lohnersatzleistungen bei Steuerklasse III oder Steuerklasse IV mit Faktor in der Regel höher aus als bei Steuerklasse IV ohne Faktor.

Grundsätzlich ist ein Wechsel der Steuerklassen nur einmal im Jahr möglich. Für einen Steuerklassenwechsel für 2016 bleibt nur noch bis zum 30. November Zeit. Bis dahin können Ehepaare und eingetragene Lebenspartner ihre Lohnsteuerklassen für dieses Jahr ändern. Die Änderung ist auf einem amtlichen Vordruck beim zuständigen Finanzamt zu beantragen. Die Formulare können beim Formularcenter des BMF heruntergeladen und ausgefüllt werden. Die beantragten Steuerklassen gelten grundsätzlich ab dem Folgemonat nach der Antragstellung. Das heißt: Wird ein Steuerklassenwechsel im Dezember 2016 beantragt, so wirkt er sich erst ab der Lohnabrechnung Januar 2017 aus.

Steuerfreibeträge neu beantragen

Spätestens zum Jahresende muss auch ein Blick auf bereits eingetragene Steuerfreibeträge, beispielsweise  für Werbungskosten, Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen geworfen werden. Zwar gelten die in 2016 eingetragenen Freibeträge grundsätzlich auch in 2017 fort und müssen nicht wie früher jährlich, sondern nur noch alle zwei Jahre neu beantragt werden. Einzige Ausnahme sind die Kinderfreibeträge und Behinderten-Pauschbeträge; diese gelten auch über den Zweijahreszeitraum grundsätzlich hinaus.

Dennoch müssen Arbeitnehmer prüfen, ob die Umstände noch dieselben sind. Fallen nach eigener Einschätzung die Gründe für einen erhöhten Freibetrag in 2017 weg, so muss das Finanzamt zwingend informiert und der eingetragene Freibetrag unter Umständen gestrichen werden. Erhöhen sich die Aufwendungen voraussichtlich im nächsten Jahr oder kommen gar neue hinzu, so ist es sinnvoll, den Freibetrag hierfür anpassen zu lassen. Wer Freibeträge also pünktlich zum Jahresbeginn 2017 berücksichtigt haben und ein höheres Nettogehalt erhalten will, sollte ebenfalls bereits jetzt handeln und einen Antrag beim zuständigen Finanzamt stellen.

Hinweis:

Wenn das Finanzamt auf Antrag einen Steuerfreibetrag gewährt, muss für das abgelaufene Jahr bis auf wenige Ausnahmen unaufgefordert eine Einkommensteuererklärung abgegeben werden.

Wer Lohnsteuerfreibeträge noch für 2016 beantragen will, muss seinen Antrag bis spätestens 30. November beim zuständigen Finanzamt stellen. In diesem Fall werden die gesamten Ausgaben des Jahres im Dezember berücksichtigt.

Arbeitgeber müssen ELStAM-Merkmale regelmäßig abrufen

Änderungen der Steuerklasse, aber auch der Konfession oder Kinderzahl werden seit 2013 nicht mehr auf dem Papier vorgenommen, sondern in der elektronischen Lohnsteuerkarte. ELStAM - Elektronische Lohnsteuerabzugsmerkmale lautet das Zauberwort. Sobald sich die steuerlichen Daten eines Arbeitnehmers ändern, stehen diese Änderungen auf den Servern der Finanzverwaltung elektronisch zur Abholung durch den Arbeitgeber bereit, der diese für die Lohnabrechnung benötigt. Das Problem ist nur, dass Arbeitgeber oftmals keine Kenntnis über die geänderten Eintragungen auf der elektronischen Lohnsteuerkarte ihres Arbeitnehmers haben. Um dies zu vermeiden, sind Arbeitgeber kraft Gesetzes dazu verpflichtet, mindestens einmal monatlich die für ihr Unternehmen vorhandene Änderungsliste abzurufen. Damit soll sichergestellt werden, dass immer die aktuellen ELStAM verwendet werden.

Hinweis:

Arbeitnehmer sollten ihren Arbeitgeber über die Änderungen der Lohnsteuerklasse bzw. über die Eintragung von Steuerfreibeträgen informieren, so dass der Arbeitgeber überprüfen kann, ob diese Änderungen bei der nächsten Gehaltsabrechnung zutreffend berücksichtigt wurden.

(Stand: 24.11.2016)

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